RENT A OMA
... Auch Oma Agnes kribbelt es heute in den Beinen, wie sie Beate Haselhof schon morgens bei der Haushaltsübergabe gestanden hat.„Ich werde mich morgens sputen, die Zwillinge noch verköstigen und zum Tennis fahren. Wenn du oder Alexander die beiden heute ausnahmsweise mal abholen könntet, dann hätte ich ab 15 Uhr frei und könnte die herrliche Frühlingssonne bei einer kleinen Radtour genießen“, erkundigte sie sich.„Na, das müsste einzurichten sein. Ich glaube Alexander wollte heute sowieso eher Schluss machen, weil er abends noch ein Geschäftsessen hat und die Kinder wenigstens zwischendurch mal ein Stündchen sehen wollte. Die gehen dann sicher zu diesem großen gelben M. Martin wollte auch Rad fahren, ...Gegen 15.30 Uhr bewegt sich eine kichernde, blödelnde Fahrradschlange an den Fischweihern vorbei durch den Stadtwald. Nach knapp einer Stunde ist eine sonnige Lichtung, ein idealer Brotzeitplatz erreicht. Theo, Martin und Andreas verputzen ihre Vorräte schmatzend bis auf den letzten Krümel. „Besser im Magen getragen als im Rucksack geschleppt“, grinst Andreas.Die Pause wird ausgeweitet zur jilligen Sonnenbadestunde. So naht schon der Abend, als sich das Kleeblatt zur Heimfahrt rüstet. „17 Uhr und so dunkel, wir haben doch bald Mai, da stimmt was nicht“, diagnostiziert Natalie.Tatsächlich blockieren rabenschwarze unheilverkündende Wolkenschwaden den vor kurzem noch bayerisch blauen Himmel. In Windeseile wird zusammengepackt und eine Abkürzung zur nächsten Straße angesteuert. „Hoffentlich erreichen wir bald Asphalt. Auf dem Rumpelweg bleibt das Tempo im Keller“, seufzt Martin, als die ersten schweren Tropfen auf ihre Radhelme platschen. Dann brechen Hagelschauer nieder, die auch keine Zuflucht mehr unter den Bäumen erlauben.Eine windschiefe Waldhütte erscheint als letzte Rettung. Allerdings ist den Vieren nun endgültig klar, dass die Abkürzung keine war, sondern vielmehr in einen Irrweg mündete. ...Bange Minuten folgen. Da nähert sich ein kleiner Lichtkegel. „Ein Auto“, jubelt Martin schon. Andreas korrigiert: “Höchstens ein Motorrad“, - „oder ein Mofa“, wendet Natalie ein und Theodora diagnostiziert schließlich enttäuscht „Noch ein Fahrradfahrer, na vielleicht hat der wenigstens Flickzeug dabei.“Der, oder besser die Fahrradfahrerin hat selbstverständlich Flickzeug dabei – und heißen Tee und Müsliriegel. Es ist Oma Agnes. „Kinder, bin ich froh, dass ich nicht mehr alleine bin! Ich hab langsam Panik bekommen. Diese feuchte Kälte, die Dunkelheit, mein hinteres Batterielicht ist schon ausgefallen, wer weiß wie lange die Frontlampe noch durchgehalten hätte. Und vor fünf Minuten ist auch noch ein Baum direkt hinter mir umgestürzt. Wo sind wir hier überhaupt?“ sprudelt sie hervor.